Vorbemerkungen:
Immer wieder, wenn ich Rohbernstein beschleife, bin ich fasziniert von seinem Geruch. Einige schnelle, kräftige Schleifbewegungen auf dem groben Vorschliffpapier und schon werden ätherisch duftende Stoffe freigesetzt, ein Geruch fast wie im sommerlichen Kiefernwald.
Auch schon beim fertig polierten Naturbernstein tritt dieser Effekt auf, wenn man ihn weiter beschleift.
Wie anders, wie befremdend die Erfahrung, wenn "gekochter" Bernstein beschliffen wird: er ist härter, "kälter" und riecht nach nichts - es sind nämlich durch die Erhitzung der Großteil der natürlichen Duftstoffe verflüchtigt; ganz extrem ist das beim autoklavierten Bernstein (siehe Extra-Info).
Mag es für die Schmuckindustrie ein Segen sein, aus einem milchigen oder schlaubigen oder brüchigen Bernstein einen klaren, festen Bernstein schaffen zu können - für den Naturbernstein-Liebhaber und vor allem Inklusensammler kommt er selten infrage. Heute kann man im Autoklaven bei Drücken ab 25 atm und entstehender Hitze Bernstein verändern. Er wird klarer und bekommt eine andere Färbung. Bei hohem Druck und Hitze kann der Bernstein sogar schwarz werden.
Zum Glück kann man bei diesen Temperaturen (bei denen der Bernstein weich wird) keine Organismen einbetten, die würden sofort schwarz verbrennen. Fälschungen auf diese Weise sind also nicht möglich.
Genug der Vorbemerkungen.

Wie erkenne ich Bernstein?

Grundsätzlich: an der Farbe kann man Bernstein nicht unbedingt erkennen, denn es gibt die verschiedensten Farbvarianten (siehe Extra-Info). Nur der Laie denkt, Bernstein müsse durchsichtig und honiggelb bis rotbraun aussehen.

1. Bernstein lädt sich bei Reibung an Wolle statisch auf und zieht Papierschnitzel an. Achtung: auch einige Plastiksorten zeigen ähnliche Eigenschaften.

2. Bernstein riecht beim Anzünden aromatisch harzig, Plastik stinkt! Nun muss man nicht gleich sein fragliches Stück verbrennen. Eine mit Feuerzeug an der Spitze zum Glühen gebrachte Nadel kann an einer 'unschädlichen' Stelle (z.B. bei Schmuckstücken in der Bohrung) an den Bernstein gehalten werden, während man gleichzeitig schnuppert. Einfach mal ausprobieren, etwas Erfahrung braucht man. Der erfahrene 'Schnupperer' lässt die Feuerzeugflamme nur über den Bernstein streichen und erkennt ihn sofort am Geruch. Kopal und Kunstharze schmelzen schon bei ca. 150 Grad C, Bernstein viel später (Heißlufttest)!

3. Alternder Bernstein zeigt auf der Oberfläche krakelige Risse (als wenn lehmiger Boden trocknet und aufreißt), Plastik nicht. Anfangs nur bei größerer Vergrößerung zu erkennen, mindestens 10-fach-Lupe!



4. Bernstein ist leichter als Plastik und schwimmt in Salzwasser bestimmter Konzentration: 15 g Salz auf eine Tasse Wasser (100 ml), 150 g Salz auf ca. 1 Liter Wasser. Ich habe auf meinen Streifzügen über Floh- und Antikmärkte immer ein kleines Gefäß mit Salzwasser dabei, ein zweites mit klarem Wasser zum Spülen und einen Lappen zum Abtrocknen. So habe ich schon manche vermeintliche Bernstein-Zigarettenspitze als Plastikspitze entlarvt.


5. Auch "Pressbernstein" (oder autoklavierter Bernstein) hat nie Pressnähte.

6. Sternhaare (von Eichenblüten, sternförmig aussehende Haare) kommen nur in echtem Baltischen Bernstein vor.



7. Man sollte sich in der Grundlagenliteratur über verschiedene Bernsteinvarianten informieren. Es gibt z. B. sog. Knochenbernstein, der auf den ersten Blick wie Meerschaum aussieht (siehe Extra-Info).


8. Aceton-Test (gut geeignet!): Man taucht ein Wattebäuschchen o.ä. in Aceton und reibt dann auf der Oberfläche des Bernsteins. Er darf nicht abfärben oder sich lösen! D.h. Bernstein ist gegenüber Aceton resistent, dagegen junge Harze wie Kopal oder die meisten Kunstharze nicht!

9. Inkluse echt oder gefälscht? Für mehr Infos:Siehe Extra-Info.

10. Entscheidung am Strand: Stein oder Bernstein ?
Bei größeren Stücken merkt man es schon am Gewicht, bei kleineren Stücken: an die Zähne klopfen oder an den Zähnen reiben. Stein "klackt" hart und fühlt sich seeehr unangenehm an, Bernstein dagegen weich.
Ein Quarz-Kieselstein kann einem Bernstein täuschend ähnlich sehen, hier im Wasser ...